PS: Das Gezerre um die Freitaler Lederfabrik geht weiter

Thomas Klyscz über das unsägliche Gezerre um die Freitaler Lederfabrik. Jetzt konzentriert sich der Streit um die weitere Vorgehensweise auf den internen Kreis der Verwaltungsspitze: Oberbürgermeister gegen Baubürgermeister.

Thomas KlysczDie Sächsischen Zeitung berichtet heute im Lokalteil Freital unter der Überschrift „Stadtspitze zerstritten über Zukunft der Lederfabrik“ von dem Gerangel um das weitere Vorgehen mit der ehemaligen Lederfabrik in Freital. Die denkmalgeschützte Ruine wurde von der Stadt Ende 2013, gegen die Stimmen der damaligen FDP-Fraktion, für sagenhafte 700.000 EUR erworben. Damals war das kolportierte Ziel, dort eine Stätte für die Kreativwirtschaft einzurichten.

Dass bei einer ehemaligen Lederfabrik durchaus mit Altlasten zu rechnen ist und das Areal ehemals vom vorherigen Eigentümer für exakt eine D-Mark von der Treuhand erworben wurde, ohne dass nennenswert in die Immobilie investiert wurde und selbst die Sicherungsmaßnahmen am Gebäude von der Stadt vorgenommen werden mussten, spielten bei der Stadtratsentscheidung zum Erwerb offenbar eine nur untergeordnete Rolle. Schnell zeigte sich, dass der ursprüngliche Plan wohl nicht so einfach umsetzbar war und es wurde seitens des Oberbürgermeisters offen über einen Abriss nachgedacht. Dieser Zustand hält wohl bis heute an.

Berechtigterweise fragt Matthias Weigel von der SZ:

Doch warum kauft Freital eine Immobilie, ohne zu wissen, was man damit anfangen soll? Und warum riskiert man die Rückzahlung von Hunderttausenden Euro Fördermitteln, die für den Kauf flossen? Ergebnisse der Prüfung oder Antworten auf diese Fragen gibt es bis heute nicht.

Lederfabrik FreitalWenn der zuständige Bau-Bürgermeister und dessen vorgesetzter Oberbürgermeister an einem Projekt in verschiedene Richtungen arbeiten, kann das für das Projekt selbst regelmäßig nicht von Vorteil. Letztlich liegt es nun wieder in den Händen des Stadtrats, das Heft des Handelns zu übernehmen.

Es ist die traurige Fortsetzung der „Oberbürgermeister-Amtsausübung nach Mättig-Art“. Insbesondere dann, wenn es um Immobilien, und damit verbunden oftmals größere Summen städtischer Gelder geht, legt unser Noch-Verwaltungs-Chef stets einen besonderen, individuellen Aktionismus an den Tag. Da werden gern mal Projekte entgegen vorheriger Absprachen und Pläne ausgebremst und ggfs. neu ausgerichtet. Das alles geschieht selbstverständlich stets im Interesse der Stadt und der Freitaler Bürger.

Ersten Aufschluss darüber, wie es nun mit dem schier endlosen Kapitel weiter geht, könnte es Ende März geben. Dann will der Stadtrat den Haushalt beschließen – und es wird sich zeigen, welche finanzielle Rolle dort die Lederfabrik spielt. Die ominöse Vorlage zur Fabrik könnte dann schon hinfällig sein. Oder sie kommt dann doch noch irgendwann auf die Tagesordnung.

Der aktuelle Stillstand kann bei mir leider auch nur wieder Kopfschütteln und Resignation hervorrufen. OB Mättig ahnt wohl aber auch schon, dass seinem beruhigender Einfluss auf die Stadtentwicklung absehbare zeitliche Grenzen in Form der Oberbürgermeisterwahl im Juni gesetzt sind.


In der Reihe “PS – Persönlicher Standpunkt” werden persönliche Ansichten und Meinungen von Mitgliedern des Ortsverbands oder von Mandatsträgern im Verantwortungsbereich des Ortsverbands zu ausgewählten tagespolitischen oder gesellschaftlichen Themen dargestellt. Diese geben nicht zwangsläufig die Meinung des Ortsverbands oder der Mandatsträger wieder.

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