PS: Der Opel unter den Parteien

Thomas Klyscz über die Parallelen der „gelben“ Protagonisten Opel und FDP.

Thomas KlysczEin gutes Gefühl, in der Hamburger Bürgerschaft gefestigt mit neun Sitzen in die kommende Legislatur zu gehen. Angenehm auch, dass die FDP mit mehr als 47.000 Stimmen Vorsprung erkennbar besser abgeschnitten hat, als die AfD, welche sich trotz Ihres Einzugs in die Bürgerschaft parteiintern nach gutem alten FDP-Vorbild mit persönlichen Statements aus der Vorstandsetage bestmöglich zerlegt.

Besonders freue ich mich allerdings, dass die Liberalen/Freien Demokraten nach erwartet finsteren Umfragewerten von 2,0% noch im Dezember 2014 das phänomenale Ergebnis von 7,4% einfahren konnten.

Mir drängen sich in diesem Kontext auffällige Parallelen mit der ironischwerweise ebenfalls unter gelber Flagge agierenden, deutschen Traditionsmarke Opel auf. Der Automobilbauer hatte in den 60er und 70er Jahren seine Hochphase, bevor in den 80er Jahren der Focus auf die Kundenwünsche verloren ging. Die Einstellung der Oberklasse und die Konzentration auf frontgetriebene Kleinwagen, sowie unglaubliche Qualitätsprobleme („Neuwagenrost“) verschreckten viele der treuesten Kunden dauerhaft.

Dieser Zustand und insbesondere das dadurch entstandene Image hielten Jahrzehnte lang die Zulassungszahlen und den Geschäftserfolg nahe an der Wahrnehmbarkeitsgrenze. Zwischenzeitlich, im engen Zusammenhang mit der Krise 2008/2009, wurde die Marke Opel auch schon einmal totgesagt, wurde ernsthaft über die Einstellung der Marke gesprochen. Erst jetzt, nach Jahren der Umstrukturierung, intensiven und kostenintensiven Marketings und einem Relaunch des Markenauftritts gehen die Zahlen wieder erkennbar nach oben.

Opel Zulassungzahlen

Quelle: autohaus.de

 

Lediglich in anderen Zeitfenstern erging es der FDP genauso. Nach dem furiosen Bundestags-Wahlergebnis 2009 wurden in der Regierungsverantwortung die eigentlichen Gründe für die Unterstützung der Wähler schlicht außer Acht gelassen und der Markenkern im Interesse des Machterhalts geopfert.

Und auch hier konnte nach den ersten geeigneten Reaktionen auf diese Erkenntnis das Image der Partei nicht erkennbar aufpoliert werden. In der Folge gingen in den letzten Landtagswahlen die Zustimmungswerte reihenweise in den Keller, flogen die Liberalen aus den Parlamenten. Das wiederum hatte folgerichtig eine zunehmende mediale Ignoranz zur Folge, was es der Partei nicht leichter machte, verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen.

FDP Hamburg Umfragewerte

Quelle: tagesschau.de

Die notwendige Umstrukturierung der Liberalen mündete schließlich beim Dreikönigstreffen mit einer inhaltlichen durchaus überzeugenden Rede des Parteivorsitzenden in einem sanften Relaunch des Außenauftritts der Partei. Von da an ging es dank (fahrlässiger) medialer Unterstützung durch die Medien („Wutrede“ und „#Beingate“), aber auch aufgrund intensivierter, landesverbandsübergreifender Zusammenarbeit und Unterstützung durch Vorfeldorganisationen zumindest bei den Hamburger Umfragewerten schrittweise nach oben. Das Ergebnis der Bürgerschaftswahl kann sich durchaus sehen lassen.

Nun ist es geboten, dieses Signal zu nutzen. Auch wenn man in einer liberalen Partei selbstverständlich eine breite Meinungsfront lebt und einzelne Mitstreiter möglicherweise mit der Farbe Magenta oder den Ansichten einzelner Personen im Bundesvorstand nicht vollumfänglich übereinstimmt, sollte jetzt der Schwung aus Hamburg genutzt werden, um gemeinschaftlich an der Umsetzung des Ziels „BTW2017“ zu arbeiten.

Immerhin macht Politik nur dann Sinn, wenn sie die Chance hat, etwas zu bewirken. Und das kann Sie nur mit der Zustimmung der Wähler, deren Votum erst die Möglichkeit eröffnet, wahrgenommen zu werden und politische Ziele umzusetzen.

Opel hat im Übrigen seinen Marktanteil 2014 bei den Neuzulassungen in Deutschland wieder auf 7,2% gesteigert. Wieder so eine Parallele mit der FDP. Auch die Schlagzeilen in den Medien ähneln sich:

„Mit Opel geht es aufwärts“
„Es geht wieder aufwärts“
„Mit Opel geht es weiter aufwärts“
„Katja Suding haucht den Liberalen Leben ein“
„Katja Suding macht Liberale glücklich“
„Die FDP ist ein echtes Kampfkollektiv“
„Aus dem Jenseits kehrt die FDP verjüngt zurück“

Es zeigt sich: Beharrliches und zielorientiertes Arbeiten ist die wichtigste Voraussetzung und einzige Chance für ein Wiedererstarken. Das gilt in der Politik wie auch in der Automobilindustrie. Bleibt zu hoffen, dass es für beide Protagonisten weiter aufwärts geht.


In der Reihe “PS – Persönlicher Standpunkt” werden persönliche Ansichten und Meinungen von Mitgliedern des Ortsverbands oder von Mandatsträgern im Verantwortungsbereich des Ortsverbands zu ausgewählten tagespolitischen oder gesellschaftlichen Themen dargestellt. Diese geben nicht zwangsläufig die Meinung des Ortsverbands oder der Mandatsträger wieder.

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