PS: Ist das nur Amtsmüdigkeit?

Thomas Klyscz über seinen persönlichen Eindruck zur Amtsführung des Freitaler Oberbürgermeisters in den letzten 6 Monaten

Mit Erschrecken und ungläubigem Kopfschütteln muss ich derzeit zur Kenntnis nehmen, wie sich der noch wenige Tage im Amt befindliche Freitaler Oberbürgermeister Klaus Mättig präsentiert.

Thomas Klyscz

Thomas Klyscz

Exkurs: Sicher umgab Mättigs Amtsführung schon immer die Aura eines Regionalfürsten, der sich gern den Freitaler Bürgern als volksnaher Macher präsentierte, sich mit Enthusiasmus seinem Lieblingsthema der Immobilien widmete und, soweit es die Spielregeln zuließen, auch gern selbst Entscheidungen traf, ohne auf die Zuarbeit seiner Mitarbeiter in der Verwaltung zurückzugreifen oder die eigentlich notwendige Zustimmung der Stadträte einzuholen.

Strittige Stadtratsentscheidungen wurden regelmäßig dann auf die Agenda gesetzt, wenn sich der OB vor den Bürgern im Nachgang mit diesem bindenden Votum entschuldigen konnte. Ähnlich berühmt sind bzw. waren seine Fähigkeiten der Personalführung innerhalb der Verwaltung.

Für persönlich geschätzte Bürger im engeren Kreis wurden schon einmal Posten geschaffen, wenn auch eigentlich nur befristet, andere, unlieb gewordene Personen entfernte er geschickt aus ihren Wirkungsbereichen. Dabei gelang es dem Oberbürgermeister stets, irgendwie die notwendigen Mehrheiten im Stadtrat zu beschaffen. Das war vor der Kommunalwahl 2014 mit der damals großen, wenngleich inhomogenen CDU-Fraktion natürlich einfacher als danach, als sich neue Allianzen bildeten.


Dass OB Klaus Mättig gegen Ende seiner Amtszeit nur noch eingeschränkten Wert auf eine aktive, zielführende und gestaltende Amtsführung legte, zeigte sich in meiner Wahrnehmung zuerst im Februar, als er sich bei der einberufenen, ersten Einwohnerversammlung augenscheinlich auf die Position zurückzog, jegliche Verantwortung für das Thema Asyl und die damit verbundenen Misstände lägen bei Bund und Land.

Auch die Verteilung und Unterbringung von Asylbewerbern auf die Kommunen wäre allein Sache des Landkreises. Die Freitaler Verwaltungsspitze könne hier gar nichts machen, man wäre lediglich gezwungen im Stadtgebiet Unterkünfte bereitzustellen. Da machte es sich der OB schon etwas einfach und demonstrierte seinen Unwillen an diesem heißen Thema konstruktiv mitzuwirken.

Klaus Mättig

Klaus Mättig
Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Freital
2001 – 2015

Im März demonstrierte Mättig wiederum seine eigene Auslegung der Geschäftsordnung des Stadtrats und der Gemeindeordnung, in dem er einen fristgerecht eingereichten Antrag der Fraktion SPD/Grüne zum Thema „Vergabesystem für Kitaplätze“ schlichtweg nicht auf die Tagesordnung setzte.

Dies nahm seine Fortsetzung, als in der Stadtratssitzung im Juni ein fristgerecht eingereichter Antrag der selben Fraktion über die im Vorfeld fraktionsübergreifend hinreichend kritisierte Stelle des Wirtschaftsreferenten wiederum nicht auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Diesmal konnte oder wollte Mättig noch nicht einmal den Versuch einer Begründung liefern. Die Ankündigung der Beschwerde bei der Kommunalaufsicht quittierte der OB mit dem lapidaren Verweis, dass dies das gute Recht des Fraktionsführers wäre. Er hatte wohl bereits mit dem guten Stil der kommunalpolitischen Arbeit abgeschlossen.

Dass das Stadtoberhaupt der Informationsveranstaltung auf Einladung seines Parteikollegen und Bundestagsmitglieds Klaus Brähmig, zu der Bundesinnenminister Thomas de Maizière, ebenfalls CDU, hinzugeladen war, fernblieb, verwundert dahingehend, dass eine ähnlich hochkarätig besetzte Veranstaltung zu einem anderen Thema früher keinesfalls verpasst worden wäre.

Ein weiteres Indiz für die Geringschätzung des Stadtrats war, dass er der Sitzung des Gremiums am 02.07.2015 urlaubsbedingt fernblieb, und so sogar seine Verabschiedung nach 14 Jahren Amtszeit in Abwesenheit erfolgte. Hier liess Mättig lediglich Anstand vermissen.

Den Höhepunkt der oberbürgermeisterlichen Ignoranz der Freitaler Interessen und offensichtlichster Beleg für die heiße Thematik Asyl in der Stadt bildete jedoch letztlich die zweite Einwohnerversammlung zum Thema Asyl am 06.07.2015. Zu diesem Zeitpunkt war die Stadt Freital und die Proteste gegen die Unterbringung von Asylbewerbern im ehemaligen Leonardo-Hotel bereits zwei Wochen lang regelmäßiges Thema in Funk und Fernsehen, sogar international.

Bis zu diesem Montag hatte es die Freitaler Stadtspitze in Person des Oberbürgermeisters nicht vermocht, sich zu den Geschehnissen offiziell und eindeutig zu positionieren. Mir war es nicht möglich, bis dato in der Presse ein Interview oder auf der Internet-Präsenz der Stadt ein offizielles Statement zu finden.

In der naiven Hoffnung, dass bei der von Oberbürgermeister und Stadtrat eingeladenen Veranstaltung dies nun nachgeholt werden würde, nahm ich zur Kenntnis, dass der OB auch hier urlaubsbedingt gar nicht anwesend wäre. In meinen Augen eine unfassbare Geringschätzung der berechtigten Interessen der Freitaler Bürger.

Rathaus Freital

Rathaus Freital

Am Rande sei bemerkt, dass die Verwaltungsspitze erst durch einen Mehrheitsbeschluss des Stadtrats  im Mai gezwungen wurde, diese Bürgerinformationsveranstaltung durchzuführen und die Bürger zur Teilnahme einzuladen.

Während Klaus Mättig wenige Tage vor Ende seiner Amtszeit noch schnell seinen sicher wohlverdienten Urlaub genoss, machte Freital wieder deutschlandweit Negativ-Schlagzeilen mit ebenso unfassbar niveauloser Diskussionskultur an diesem Abend im Kulturhaus ohne, dass es ein offizielles Statement des Oberbürgermeisters gegeben hätte.

Mir persönlich ist vollkommen schleierhaft, was Klaus Mättig bewegt hat, seine Reputation als langjähriger Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Freital durch Zeiten, geprägt von Hochwasser und Wirtschaftskrise, in einem halben Jahr derart zu beschädigen.

Bleibt zu hoffen, dass Mättigs Amtsnachfolger, Uwe Rumberg (CDU), laut eigener Wahlwerbung „Der Macher“, die Amtsgeschäfte in der beschrieben Hinsicht anders als sein Vorgänger ausübt und die Interessen der Stadt und der Freitaler Bürger im Auge behält und den Respekt vor dem Kontrollgremium Stadtrat und den ihm unterstellten Mitarbeitern in der Verwaltung wiederbelebt.


In der Reihe “PS – Persönlicher Standpunkt” werden persönliche Ansichten und Meinungen von Mitgliedern des Ortsverbands oder von Mandatsträgern im Verantwortungsbereich des Ortsverbands zu ausgewählten tagespolitischen oder gesellschaftlichen Themen dargestellt. Diese geben nicht zwangsläufig die Meinung des Ortsverbands oder der Mandatsträger wieder.

Ihr Kommentar